Stickoxide (NOx) ist der Sammelbegriff für gasförmige Verbindungen aus Stickstoff und Sauerstoff. In der Luftreinhaltung sind damit vor allem Stickstoffmonoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO2) gemeint.
Sie entstehen überwiegend bei Verbrennungsprozessen mit hohen Temperaturen, etwa in Motoren, Kraftwerken und Industrieöfen. Stickstoffdioxid ist das gesundheitlich relevantere Gas und wird deshalb in der Luftqualitätsüberwachung gesondert begrenzt.
Chemische Einordnung und Entstehung
Bei der Verbrennung reagiert der Stickstoff der Luft oder des Brennstoffs mit Sauerstoff. Es entsteht zunächst überwiegend NO, das in der Atmosphäre innerhalb von Minuten bis Stunden zu NO2 oxidiert wird, vor allem durch Ozon. Emissionen werden deshalb meist als NOx, angegeben als NO2, bilanziert.
Abzugrenzen ist Distickstoffoxid (N2O, Lachgas). Es zählt chemisch ebenfalls zu den Stickstoffoxiden, wird aber als Treibhausgas behandelt und nicht unter NOx erfasst.
Quellen
Nach den Daten des Umweltbundesamts (UBA) lagen die NOx-Emissionen in Deutschland 2024 bei rund 0,81 Millionen Tonnen und damit etwa 72 Prozent unter dem Niveau von 1990. Die Anteile verteilen sich wie folgt:
- Verkehr: mit knapp 36 Prozent größte Quellgruppe, vor allem Diesel-Pkw, Lkw und Busse, außerdem Binnenschifffahrt und mobile Maschinen.
- Energiewirtschaft und Industrie: Kraftwerke, Feuerungsanlagen, Zement-, Glas- und Metallindustrie. Prozessbedingte Emissionen der Industrie machen etwa 6 Prozent aus.
- Landwirtschaft: rund 12 Prozent, überwiegend aus landwirtschaftlich genutzten Böden nach Düngung.
- Haushalte und Kleinverbraucher: Gas-, Öl- und Holzheizungen.
Für die Belastung in Städten ist der Straßenverkehr entscheidend, weil die Abgase in Bodennähe und in dicht bebauten Straßenschluchten freigesetzt werden.
Wirkungen auf Gesundheit und Umwelt
NO2 reizt die Schleimhäute der Atemwege. Kurzfristig hohe Konzentrationen können bei Menschen mit Asthma Beschwerden verstärken; langfristige Belastung wird mit Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt seit 2021 einen Jahresmittelwert von 10 µg/m³.
In der Umwelt tragen Stickoxide auf mehreren Wegen zu Schäden bei:
- Sie sind Vorläufer für bodennahes Ozon und sekundären Feinstaub.
- Als Nitrat- und Säureeinträge tragen sie zur Versauerung (vgl. saurer Regen) und zur Überdüngung von Ökosystemen bei (Eutrophikation).
- Für den Schutz der Vegetation gilt ein kritischer Wert von 30 µg/m³ NOx im Jahresmittel.
Rechtliche Einordnung
Immissionsgrenzwerte für NO2
Die Luftqualität wird in Deutschland nach der 39. BImSchV beurteilt, die bislang die Richtlinie 2008/50/EG umsetzt.
Die neu gefasste EU-Luftqualitätsrichtlinie (EU) 2024/2881 ist seit dem 10. Dezember 2024 in Kraft, muss bis zum 11. Dezember 2026 umgesetzt werden. Sie verschärft die Werte ab dem 1. Januar 2030:
| Kenngröße NO2 | Derzeit (39. BImSchV) | Ab 1. Januar 2030 (RL (EU) 2024/2881) |
|---|---|---|
| Jahresmittel | 40 µg/m³ | 20 µg/m³ |
| Stundenmittel | 200 µg/m³, höchstens 18 Überschreitungen/Jahr | 200 µg/m³, höchstens 3 Überschreitungen/Jahr |
| Tagesmittel | kein Grenzwert | 50 µg/m³, höchstens 18 Überschreitungen/Jahr |
| Alarmschwelle (Stundenmittel) | 400 µg/m³ | 200 µg/m³ |
| Informationsschwelle (Stundenmittel) | keine | 150 µg/m³ |
Hinzu kommt eine Pflicht, die durchschnittliche NO2-Exposition im städtischen Hintergrund zu senken. Für Gebiete, in denen die Werte nicht fristgerecht eingehalten werden können, erlaubt die Richtlinie unter Bedingungen eine Fristverlängerung auf Basis eines Luftqualitätsfahrplans.
Das Bundesumweltministerium hat 2026 Referentenentwürfe zur Änderung des BImSchG und zur Neufassung der 39. BImSchV vorgelegt; bis zu deren Inkrafttreten gelten die bisherigen Werte.
Emissionsbegrenzung an der Quelle
- Anlagen: Emissionsgrenzwerte für NOx enthalten die TA Luft, die 13. BImSchV für Großfeuerungsanlagen, die 17. BImSchV für Abfallverbrennung und die 44. BImSchV für mittelgroße Feuerungsanlagen.
Für Anlagen nach der Industrieemissionsrichtlinie (IED) sind die BVT-Schlussfolgerungen maßgeblich. - Fahrzeuge: Abgasnormen Euro 6/VI und künftig Euro 7 nach Verordnung (EU) 2024/1257.
- Nationale Emissionshöchstmengen: Nach der NEC-Richtlinie (EU) 2016/2284 muss Deutschland die NOx-Emissionen gegenüber 2005 um 39 Prozent (ab 2020) und um 65 Prozent (ab 2030) senken. Das 2020-Ziel wurde nach UBA-Angaben von 2021 bis 2024 eingehalten, das 2030-Ziel noch nicht.
Belastung in Deutschland und Nordrhein-Westfalen
Der NO2-Jahresgrenzwert von 40 µg/m³ wurde nach Angaben des UBA 2024 erstmals und 2025 erneut an allen Messstationen eingehalten. Nach der vorläufigen Auswertung für 2025 erreichten jedoch rund 39 Prozent der Stationen den ab 2030 geltenden Jahreswert von 20 µg/m³ nicht.
In Nordrhein-Westfalen zeigen die vorläufigen Jahresmittelwerte 2025 des Landesamts für Natur, Umwelt und Klima in Nordrhein-Westfalen (LANUK NRW) ein ähnliches Bild:
Die höchsten Werte wurden an verkehrsnahen Stationen gemessen, etwa an der Dortmunder Brackeler Straße und der Düsseldorfer Corneliusstraße mit jeweils 32 µg/m³ sowie an der Düsseldorfer Merowingerstraße, der Oberhausener Mülheimer Straße und der Wuppertaler Gathe mit jeweils 31 µg/m³.
Von den kontinuierlichen Stationen mit NO2-Messung lagen 18 über 20 µg/m³. Eine Präsentation des NRW-Umweltministeriums kündigt an, dass die Luftreinhalteplanung für die neuen Werte ab 2027 beginnt, gegebenenfalls mit Anträgen auf Fristverlängerung.
Bedeutung für Unternehmen
Betreiber genehmigungsbedürftiger Feuerungs- und Prozessanlagen müssen NOx-Emissionsgrenzwerte einhalten und überwachen; je nach Anlage geschieht dies kontinuierlich oder durch Einzelmessungen.
Die Absenkung der Immissionsgrenzwerte kann zudem Genehmigungsverfahren beeinflussen: Die TA Luft verweist bei der Bewertung der Zusatzbelastung auf die Immissionswerte, und Wirtschaftsverbände weisen darauf hin, dass mit niedrigeren Werten mehr Vorhaben die Irrelevanzschwelle überschreiten könnten.
Für Logistik- und Flottenbetreiber können Maßnahmen in Luftreinhalteplänen relevant werden.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen NOx und NO2?
NOx ist die Summe aus Stickstoffmonoxid und Stickstoffdioxid, angegeben als NO2-Äquivalent. Emissionsgrenzwerte für Anlagen und Fahrzeuge beziehen sich meist auf NOx.
Die Luftqualitätsgrenzwerte zum Schutz der Gesundheit gelten dagegen für NO2, weil dieses Gas gesundheitlich besonders relevant ist.
Warum sind die Werte an Straßen höher als im Wohngebiet?
Verkehrsabgase werden in Bodennähe freigesetzt und verdünnen sich in Straßenschluchten nur langsam. Verkehrsnahe Messstationen erfassen deshalb deutlich höhere Konzentrationen als Stationen im städtischen oder ländlichen Hintergrund.
Die Richtlinie verlangt Messungen an beiden Standorttypen, damit sowohl Belastungsschwerpunkte als auch die allgemeine Exposition der Bevölkerung erfasst werden.
Werden in Deutschland die NO2-Grenzwerte eingehalten?
Ja, der derzeit geltende Jahresgrenzwert von 40 µg/m³ wurde 2024 und 2025 an allen Stationen eingehalten. Der ab 2030 geltende Jahresgrenzwert von 20 µg/m³ wurde nach den vorläufigen Daten für 2025 jedoch an rund 39 Prozent der Stationen überschritten, vor allem an verkehrsnahen Standorten in Ballungsräumen.
Welche Techniken mindern Stickoxide in Anlagen?
Primärmaßnahmen verringern die Entstehung, etwa gestufte Verbrennung, Abgasrückführung oder Low-NOx-Brenner. Sekundärmaßnahmen entfernen Stickoxide aus dem Abgas, vor allem die selektive katalytische Reduktion (SCR) und die selektive nichtkatalytische Reduktion (SNCR) mit Ammoniak oder Harnstoff.
Bei Dieselfahrzeugen werden SCR-Katalysatoren mit Harnstofflösung eingesetzt.
Gibt es auch in Innenräumen Stickoxide?
Ja. Gasherde, Gasthermen ohne Abgasführung nach außen und offene Verbrennung können die NO2-Konzentration in Innenräumen erhöhen.
Für Innenräume gelten die Außenluftgrenzwerte nicht; der Ausschuss für Innenraumrichtwerte hat jedoch Richtwerte für NO2 abgeleitet. Regelmäßiges Lüften beim Kochen mit Gas senkt die Belastung.
Die Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine rechtliche Prüfung des Einzelfalls.
Verwandte Begriffe
- Feinstaub
- Ozon (bodennah)
- VOC (flüchtige organische Verbindungen)
- TA Luft
- BImSchG
- Industrieemissionsrichtlinie (IED)
- Saurer Regen Definition
- Nitrat
Quellen und weiterführende Informationen
- EUR-Lex – Richtlinie (EU) 2024/2881 über Luftqualität und saubere Luft für Europa (2024)
- Bundesamt für Justiz – Verordnung über Luftqualitätsstandards und Emissionshöchstmengen (39. BImSchV)
- Umweltbundesamt – Stickstoffoxid-Emissionen (Stand 2026)
- Umweltbundesamt – Auch 2025 wurden alle Grenzwerte zur Luftqualität eingehalten (Pressemitteilung 11.02.2026)
- LANUK NRW – Vorläufige Jahresmittelwerte 2025 der kontinuierlichen Messstationen (Januar 2026)
- MUNV NRW (über IHK) – Die novellierte Luftqualitätsrichtlinie (EU) 2024/2881, Präsentationsauszug
- IHK Karlsruhe – EU-Luftqualitätsrichtlinie: DIHK-Stellungnahme zu den Referentenentwürfen (Juni 2026)
Geprüft am 27.10.2026 von der Redaktion Umweltcluster-nrw.de





