EMAS beschränkt Umweltmanagement nicht auf den eigenen Unternehmensstandort. Organisationen müssen auch Umweltaspekte berücksichtigen, die außerhalb der eigenen Betriebsgrenzen entstehen und die sie in angemessenem Umfang beeinflussen können. Dazu gehören insbesondere Beschaffung, Lieferanten, Auftragnehmer, Transport, Rohstoffgewinnung sowie weitere vor- und nachgelagerte Phasen des Lebenswegs von Produkten und Dienstleistungen.
Damit bietet das Eco-Management and Audit Scheme, kurz EMAS, einen systematischen Rahmen, um relevante Umweltwirkungen entlang der Liefer- und Wertschöpfungskette zu erfassen, zu bewerten und durch konkrete Anforderungen und Maßnahmen zu beeinflussen.
Die EMAS-Verordnung bezeichnet solche Auswirkungen häufig als indirekte Umweltaspekte. Sie unterscheidet sich damit von einer Betrachtung, die ausschließlich Energieverbrauch, Emissionen, Abfälle oder Wasserverbrauch am eigenen Standort erfasst.
Welche Bedeutung hat die Lieferkette für EMAS?
Ein Unternehmen hat über die Aktivitäten seiner Lieferanten in der Regel keine direkte betriebliche Kontrolle. Über Einkaufsentscheidungen, Verträge, Produktspezifikationen und die Auswahl von Lieferanten kann es jedoch Einfluss ausüben.
Genau dieser Einfluss ist für EMAS relevant.
Die EMAS-Verordnung verlangt, neben direkten Umweltaspekten auch solche indirekten Umweltaspekte zu ermitteln, die aus der Zusammenarbeit mit Dritten entstehen und von der Organisation in einem angemessenen Umfang beeinflusst werden können.
Zu den ausdrücklich genannten Bereichen gehören unter anderem:
- Rohstoffgewinnung und Rohstofferzeugung,
- Produktentwicklung und Design,
- Einkauf und Beschaffung,
- Transport,
- Nutzung von Produkten und Dienstleistungen,
- Behandlung am Ende des Lebenswegs,
- Entsorgung,
- Umweltleistung von Auftragnehmern,
- Umweltverhalten von Unterauftragnehmern,
- Lieferanten und Unterlieferanten.
Die entsprechenden Anforderungen finden sich insbesondere in den Anhängen der EMAS-Verordnung zu direkten und indirekten Umweltaspekten.
Direkte und indirekte Umweltaspekte unterscheiden
Für die Arbeit mit EMAS ist die Unterscheidung zwischen direkten und indirekten Umweltaspekten wichtig.
Direkte Umweltaspekte stehen unter unmittelbarer Managementkontrolle der Organisation. Dazu können beispielsweise der Energieverbrauch einer Produktionsanlage, Abwasser, Abfälle oder Emissionen eines eigenen Standorts gehören.
Indirekte Umweltaspekte entstehen dagegen aus der Wechselwirkung mit anderen Akteuren.
| Unternehmensbereich | Möglicher indirekter Umweltaspekt |
|---|---|
| Einkauf | Umweltwirkungen der eingekauften Rohstoffe |
| Lieferantenmanagement | Produktionsverfahren eines Zulieferers |
| Logistik | Emissionen beauftragter Transportunternehmen |
| Produktentwicklung | Materialauswahl und spätere Recyclingfähigkeit |
| Auftragsvergabe | Umweltleistung externer Dienstleister |
| Verpackung | Materialeinsatz bei Zulieferern oder Verpackungsdienstleistern |
| Produktnutzung | Energie- oder Ressourcenbedarf während der Nutzung |
| Entsorgung | Behandlung des Produkts am Ende seines Lebenswegs |
Entscheidend ist nicht allein, ob der Umweltaspekt innerhalb oder außerhalb des eigenen Standorts entsteht. Relevant ist vielmehr, wie bedeutend die damit verbundenen Umweltauswirkungen sind und welchen Einfluss die Organisation darauf ausüben kann.
Die Europäische Kommission stellt klar, dass sowohl direkte als auch indirekte Umweltaspekte bei EMAS berücksichtigt werden müssen.
EMAS-Anwenderleitfaden der Europäischen Kommission
EMAS verlangt keine vollständige Kontrolle der Lieferkette
EMAS bedeutet nicht, dass ein Unternehmen für jeden einzelnen Umweltvorgang jedes Lieferanten unmittelbar verantwortlich ist oder sämtliche Stufen einer komplexen internationalen Lieferkette vollständig kontrollieren muss.
Die Organisation soll vielmehr prüfen:
- Welche Umweltaspekte entstehen entlang des relevanten Lebenswegs?
- Welche davon können erhebliche Umweltauswirkungen haben?
- In welchem Umfang kann die Organisation diese Aspekte beeinflussen?
- Welche geeigneten Maßnahmen lassen sich daraus ableiten?
Die Reichweite dieses Einflusses kann sehr unterschiedlich sein.
Ein großer Abnehmer mit langfristigen Lieferverträgen besitzt beispielsweise häufig andere Einflussmöglichkeiten als ein kleiner Betrieb, der standardisierte Produkte über einen Großhändler einkauft.
EMAS verlangt deshalb eine organisationsbezogene Bewertung und keine identische Lieferantenprüfung für jedes Unternehmen.
Lebenswegbetrachtung statt Betrachtung nur des eigenen Standorts
Ein wesentliches Element von EMAS ist die Betrachtung des Lebenswegs von Produkten und Dienstleistungen.
Dabei können unter anderem folgende Stufen relevant sein:
Rohstoffgewinnung → Materialherstellung → Beschaffung → Produktion → Transport → Nutzung → Wiederverwendung oder Verwertung → Entsorgung
Organisationen sollen diejenigen Lebenswegabschnitte betrachten, die sie steuern oder beeinflussen können.
Eine vollständige Ökobilanz nach den Methoden der Life Cycle Assessment ist hierfür nicht automatisch erforderlich. Entscheidend ist zunächst, die relevanten Umweltaspekte zu identifizieren und in das Umweltmanagement einzubeziehen.
Die deutsche EMAS-Geschäftsstelle weist darauf hin, dass Organisationen für Beschaffung, Produkt- und Dienstleistungsentwicklung sowie ausgelagerte Prozesse Umweltanforderungen festlegen und gegenüber Vertragspartnern kommunizieren können.
EMAS-Informationen zur Lieferkette
Wie Unternehmen ihre Lieferkette im Rahmen von EMAS bewerten können
Für die praktische Umsetzung bietet sich ein risikobasierter Ansatz an. Nicht jeder Lieferant und nicht jeder Einkaufsartikel muss mit derselben Intensität untersucht werden.
1. Wesentliche Beschaffungsgruppen erfassen
Dabei können beispielsweise betrachtet werden:
- Rohstoffe,
- Metalle,
- Chemikalien,
- Kunststoffe,
- Verpackungen,
- Energie,
- Transportdienstleistungen,
- Gebäudedienstleistungen,
- Entsorgungsleistungen,
- Maschinen und Anlagen,
- IT-Hardware,
- ausgelagerte Produktionsschritte.
2. Mögliche Umweltwirkungen identifizieren
Abhängig von Produkt und Herkunft können unter anderem relevant sein:
- Energieverbrauch,
- Treibhausgasemissionen,
- Wasserverbrauch,
- Abwasser,
- Flächeninanspruchnahme,
- Auswirkungen auf Biodiversität,
- Einsatz kritischer Rohstoffe,
- gefährliche Stoffe,
- Abfallaufkommen,
- Luftemissionen,
- Transportaufwand.
3. Bedeutung bewerten
EMAS verlangt nachvollziehbare Kriterien für die Bewertung der Bedeutung von Umweltaspekten.
In Betracht kommen beispielsweise:
- Ausmaß der möglichen Umweltwirkung,
- Häufigkeit,
- Menge oder Volumen,
- Reversibilität,
- rechtliche Anforderungen,
- Sensibilität des betroffenen Umweltbereichs,
- Bedeutung für interessierte Parteien,
- Einflussmöglichkeiten des eigenen Unternehmens.
Die Bewertung sollte dokumentiert und reproduzierbar sein. Eine rein subjektive Einstufung wie „wichtiger Lieferant“ oder „geringes Risiko“ reicht als nachvollziehbare Umweltbewertung nicht aus.
Beschaffung als zentraler Hebel
Besondere Bedeutung besitzt bei EMAS die Beschaffung.
Die EMAS-Regelungen verlangen, bedeutende Umweltaspekte im Zusammenhang mit Beschaffungsverfahren zu identifizieren und entsprechende erhebliche Umweltauswirkungen im Managementsystem zu berücksichtigen.
Das kann beispielsweise bedeuten, Umweltkriterien bereits bei Ausschreibungen oder bei der Lieferantenauswahl zu berücksichtigen.
Geeignete Anforderungen können sich je nach Produkt oder Dienstleistung beziehen auf:
- eingesetzte Materialien,
- Energieverbrauch,
- Emissionen,
- Verpackung,
- Recyclingfähigkeit,
- Einsatz gefährlicher Stoffe,
- Herkunft von Rohstoffen,
- Transportwege,
- Umweltmanagement des Lieferanten.
Die Anforderungen sollten fachlich zum jeweiligen Beschaffungsgegenstand passen. Ein pauschaler Umweltfragebogen mit denselben Fragen für einen Stahlhersteller, einen Reinigungsdienstleister und einen Softwareanbieter liefert häufig nur begrenzten Erkenntniswert.
Umweltanforderungen an Lieferanten festlegen
EMAS schreibt keinen einheitlichen Lieferantenfragebogen oder eine bestimmte Lieferantenbewertungsmethode vor.
Organisationen können deshalb unterschiedliche Instrumente kombinieren.
Dazu gehören beispielsweise:
- Umweltkriterien in Ausschreibungen,
- Lieferantenselbstauskünfte,
- Umweltanforderungen in Verträgen,
- Einkaufsrichtlinien,
- Lieferantenbewertungen,
- Nachweise zu Umweltmanagementsystemen,
- produktspezifische Datenanforderungen,
- Audits bei besonders relevanten Lieferanten,
- gemeinsame Verbesserungsmaßnahmen mit Lieferanten.
Welche Instrumente angemessen sind, hängt vom Umweltaspekt und von der tatsächlichen Einflussmöglichkeit ab.
Ein Zertifikat oder eine EMAS- beziehungsweise ISO-14001-Registrierung eines Lieferanten kann dabei eine hilfreiche Information sein. Es ersetzt jedoch nicht automatisch die Bewertung eines konkreten Produkts oder einer konkreten Umweltwirkung.
Vereinfachtes Praxisbeispiel
Ein Maschinenbauunternehmen bezieht große Mengen Aluminium, elektronische Komponenten und Verpackungsmaterialien von verschiedenen Lieferanten.
Im Rahmen seiner EMAS-Umweltprüfung bewertet es nicht nur den eigenen Energieverbrauch und die eigenen Produktionsabfälle.
Bei der Untersuchung indirekter Umweltaspekte stellt das Unternehmen beispielsweise fest:
- Der Aluminiumbezug besitzt aufgrund der eingekauften Materialmenge eine hohe Bedeutung.
- Bei Elektronikkomponenten bestehen relevante Material- und Lieferkettenaspekte.
- Das Verpackungsmaterial hat mengenmäßig eine geringere Umweltrelevanz.
- Bei bestimmten Transportwegen entstehen zusätzliche indirekte Emissionen.
Das Unternehmen könnte daraus beispielsweise folgende Maßnahmen ableiten:
- detailliertere Material- und Herkunftsdaten für ausgewählte Warengruppen anfordern,
- Umweltkriterien bei neuen Lieferverträgen berücksichtigen,
- relevante Lieferanten nach ihren Umweltmanagementsystemen fragen,
- Verpackungsvorgaben überprüfen,
- alternative Materialien untersuchen,
- Transportoptionen bei bestimmten Beschaffungsvorgängen vergleichen.
Dieses Beispiel ist vereinfacht. Welche Kriterien und Maßnahmen tatsächlich geeignet sind, muss für den jeweiligen Betrieb anhand seiner Umweltaspekte bestimmt werden.
Lieferanten müssen nicht alle gleich behandelt werden
Bei umfangreichen Lieferketten kann es unpraktikabel sein, mehrere tausend Lieferanten mit derselben Prüftiefe zu betrachten.
Eine Priorisierung kann deshalb sinnvoll sein.
Umweltrelevanz des Produkts
Ein energie- oder rohstoffintensives Vorprodukt kann eine höhere Umweltrelevanz besitzen als ein geringfügiger Büroartikel.
Beschaffungsvolumen
Hohe Mengen können die Bedeutung eines Umweltaspekts erhöhen.
Herkunft
Regionale Umweltbedingungen können beispielsweise bei Wasserverfügbarkeit, Biodiversität oder bestimmten Rohstoffen von Bedeutung sein.
Einflussmöglichkeit
Langfristige strategische Lieferbeziehungen ermöglichen häufig mehr Einfluss als einmalige Einkäufe.
Substituierbarkeit
Bei standardisierten Produkten können alternative Lieferanten oder Materialien leichter verfügbar sein als bei hochspezialisierten Komponenten.
Umweltbezogene Auffälligkeiten
Vorhandene Informationen über Emissionen, Umweltvorfälle oder besondere Produktionsbedingungen können eine vertiefte Bewertung erforderlich machen.
Lieferkette in Umweltziele und Umweltprogramm integrieren
Die Analyse allein verbessert noch keine Umweltleistung.
Werden bedeutende Umweltaspekte in der Lieferkette identifiziert, sollten daraus soweit sinnvoll Ziele und Maßnahmen entstehen.
Ein mögliches Ziel könnte beispielsweise lauten:
Bis Ende des kommenden Geschäftsjahres werden für alle als wesentlich eingestuften Rohstoffgruppen dokumentierte Umweltkriterien in den Beschaffungsprozess integriert.
Dazu könnten Maßnahmen gehören wie:
- Kriterien definieren,
- Einkaufsrichtlinie anpassen,
- Lieferanten informieren,
- Datenabfragen einführen,
- Verantwortlichkeiten festlegen,
- Umsetzung regelmäßig überprüfen.
Ziele sollten soweit möglich messbar sein.
Weniger geeignet wäre eine Formulierung wie:
Unsere Lieferkette soll nachhaltiger werden.
Damit lässt sich kaum beurteilen, ob tatsächlich eine Verbesserung stattgefunden hat.
Umweltleistung von Lieferanten messbar machen
Für ausgewählte Lieferanten oder Warengruppen können Kennzahlen hilfreich sein.
Denkbar sind beispielsweise:
- Anteil bewerteter umweltrelevanter Lieferanten,
- Anteil des Einkaufsvolumens mit definierten Umweltkriterien,
- Menge bestimmter beschaffter Materialien,
- Anteil bestimmter Materialqualitäten,
- transportbedingte Emissionen,
- Anteil der Lieferanten mit überprüfbaren Umweltmanagementsystemen,
- Anzahl abgeschlossener Verbesserungsmaßnahmen.
Eine Kennzahl sollte allerdings nicht allein deshalb erhoben werden, weil entsprechende Daten verfügbar sind.
Sie sollte eine tatsächlich relevante Umweltfrage beantworten und Entscheidungen unterstützen.
EMAS und Scope-3-Emissionen
Ein häufiger Berührungspunkt zwischen Lieferkettenmanagement und Umweltmanagement betrifft Treibhausgasemissionen außerhalb der eigenen Standorte.
Dazu können beispielsweise Emissionen aus:
- eingekauften Waren und Dienstleistungen,
- Transport,
- Geschäftsreisen,
- Abfallbehandlung,
- Nutzung verkaufter Produkte,
- deren Behandlung am Ende des Lebenswegs
gehören.
Im Treibhausgasmanagement werden solche indirekten Emissionen häufig dem sogenannten Scope 3 zugeordnet.
EMAS und eine Treibhausgasbilanz nach dem Greenhouse Gas Protocol sind jedoch nicht dasselbe. Scope-3-Daten können eine wichtige Informationsquelle für das Umweltmanagement sein, EMAS betrachtet darüber hinaus aber zahlreiche weitere Umweltaspekte wie Wasser, Materialien, Abfälle, Biodiversität oder andere Emissionen.
Lieferkette und Umwelterklärung
Die EMAS-Umwelterklärung soll auch die bedeutenden direkten und indirekten Umweltaspekte einer Organisation beschreiben.
Damit können relevante Umweltwirkungen der Lieferkette Bestandteil der öffentlichen Umweltberichterstattung werden.
Nach Anhang IV der EMAS-Verordnung umfasst die Umwelterklärung unter anderem:
- bedeutende direkte und indirekte Umweltaspekte,
- die Methode zu deren Bewertung,
- Umweltziele und Umweltmaßnahmen,
- Informationen zur Umweltleistung.
Anforderungen an die EMAS-Umwelterklärung bei EUR-Lex
Eine Organisation muss dabei nicht sämtliche Detailinformationen zu jedem Lieferanten veröffentlichen. Die Darstellung sollte jedoch nachvollziehbar machen, welche wesentlichen Umweltaspekte identifiziert wurden und wie damit umgegangen wird.
EMAS ist kein vollständiges Lieferkettensorgfaltssystem
EMAS sollte nicht mit einem umfassenden Nachhaltigkeits- oder menschenrechtlichen Lieferkettenmanagement gleichgesetzt werden.
Der Schwerpunkt von EMAS liegt auf Umweltmanagement und Umweltleistung.
Ein umfassendes Lieferkettenmanagement kann darüber hinaus beispielsweise Themen behandeln wie:
- Menschenrechte,
- Arbeitsbedingungen,
- Arbeitsschutz,
- Korruptionsprävention,
- soziale Standards,
- Governance.
EMAS kann für entsprechende Prozesse eine organisatorische Grundlage liefern, ersetzt aber nicht automatisch sämtliche Anforderungen aus anderen Managementsystemen oder Rechtsgebieten.
Gerade bei gesetzlichen Lieferkettenpflichten sollte daher getrennt geprüft werden, welche Unternehmen von welcher Vorschrift betroffen sind und welche Pflichten daraus konkret entstehen.
Die Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine rechtliche Prüfung des Einzelfalls.
Welche Rolle spielt der Einkauf bei EMAS?
Der Einkauf besitzt eine Schlüsselrolle, weil viele indirekte Umweltwirkungen bereits durch Beschaffungsentscheidungen beeinflusst werden können.
Damit Umweltkriterien tatsächlich wirksam werden, sollten Umweltmanagement und Einkauf deshalb miteinander verbunden sein.
In der Praxis kann das beispielsweise bedeuten:
- Das Umweltmanagement identifiziert bedeutende indirekte Umweltaspekte.
- Einkauf und Fachabteilungen bestimmen geeignete Beschaffungskriterien.
- Die Kriterien werden in Ausschreibungen oder Lieferantenanforderungen integriert.
- Relevante Lieferanten werden informiert.
- Ergebnisse und Abweichungen werden erfasst.
- Die Organisation überprüft regelmäßig, ob die Maßnahmen wirksam sind.
Der offizielle EMAS-Leitfaden nennt ausdrücklich die Möglichkeit, Umweltanforderungen für Beschaffung und ausgelagerte Prozesse festzulegen und wesentliche Anforderungen gegenüber Vertragspartnern zu kommunizieren.
Einstieg ins Umweltmanagement mit EMAS
EMAS als kontinuierlicher Prozess in der Lieferkette
Lieferketten verändern sich.
Neue Lieferanten kommen hinzu, Rohstoffe werden ersetzt, Transportwege ändern sich und neue Erkenntnisse über Umweltwirkungen entstehen. Deshalb sollte die Bewertung der indirekten Umweltaspekte nicht als einmalige Lieferantenprüfung verstanden werden.
Das EMAS-System folgt dem Prinzip der kontinuierlichen Verbesserung.
Für die Lieferkette bedeutet dies beispielsweise:
Planen
Relevante Umweltaspekte identifizieren und bewerten.
Umsetzen
Umweltanforderungen und Maßnahmen in Beschaffung und Lieferantenmanagement integrieren.
Überprüfen
Kennzahlen, Lieferantendaten und Zielerreichung kontrollieren.
Verbessern
Kriterien und Maßnahmen anhand der Ergebnisse weiterentwickeln.
Damit wird die Lieferkette Teil des regulären Umweltmanagementsystems und kein davon losgelöstes Zusatzprojekt.
Häufige Fragen zu Lieferkette und EMAS
Muss ein EMAS-Unternehmen sämtliche Lieferanten kontrollieren?
Nein. EMAS verlangt keine identische Detailprüfung jedes einzelnen Lieferanten. Organisationen müssen relevante indirekte Umweltaspekte identifizieren, ihre Bedeutung bewerten und berücksichtigen, welchen Einfluss sie darauf ausüben können. Daraus sollte eine nachvollziehbare Priorisierung entstehen.
Sind Lieferanten automatisch Teil der EMAS-Registrierung?
Nein. Die EMAS-Registrierung besitzt einen definierten organisatorischen und standortbezogenen Geltungsbereich. Externe Lieferanten werden durch die Geschäftsbeziehung nicht selbst zu EMAS-registrierten Organisationen. Ihre Umweltleistung kann für die indirekten Umweltaspekte des registrierten Unternehmens jedoch relevant sein.
Müssen Lieferanten nach EMAS zertifiziert sein?
Nein. EMAS schreibt nicht vor, dass sämtliche Lieferanten selbst EMAS-registriert sein müssen. Ein Umweltmanagementsystem kann bei der Lieferantenbewertung berücksichtigt werden, ist jedoch nur eines von mehreren möglichen Kriterien.
Muss bei EMAS die komplette Lieferkette bekannt sein?
EMAS verlangt die systematische Betrachtung relevanter Umweltaspekte und der beeinflussbaren Lebenswegabschnitte. Wie tief eine Lieferkette untersucht werden muss, hängt deshalb unter anderem von ihrer Umweltrelevanz, der Bedeutung des Umweltaspekts und den Einflussmöglichkeiten der Organisation ab.
Was ist bei EMAS ein indirekter Umweltaspekt?
Ein indirekter Umweltaspekt entsteht aus der Wechselwirkung einer Organisation mit Dritten und kann von ihr in angemessenem Umfang beeinflusst werden. Dazu zählen beispielsweise Umweltwirkungen von Lieferanten, Auftragnehmern, Transportdienstleistern oder vorgelagerten Produktionsprozessen.
Gehören Scope-3-Emissionen zu EMAS?
Indirekte Treibhausgasemissionen aus der Wertschöpfungskette können für die Umweltbewertung einer EMAS-Organisation relevant sein. EMAS ist jedoch breiter als eine reine Treibhausgasbilanz und betrachtet zusätzlich beispielsweise Materialien, Wasser, Abfälle, Biodiversität und weitere Umweltwirkungen.
Muss die Lieferkette in der EMAS-Umwelterklärung erwähnt werden?
Wenn Lieferkettenaspekte als bedeutende indirekte Umweltaspekte eingestuft werden, müssen diese im Rahmen der Anforderungen an die Umwelterklärung berücksichtigt werden. Die Darstellung richtet sich nach ihrer Relevanz und dem Geltungsbereich des Umweltmanagementsystems.
Quellen und weiterführende Informationen
- Europäische Union – Verordnung (EG) Nr. 1221/2009 über EMAS
Rechtsgrundlage des Eco-Management and Audit Scheme einschließlich der Anforderungen an direkte und indirekte Umweltaspekte:
https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2009/1221/oj - Europäische Kommission – Verordnung (EU) 2017/1505
Aktualisierung der Anhänge I bis III der EMAS-Verordnung mit Anforderungen an Lebenswegbetrachtung, Lieferanten und Unterlieferanten:
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/ALL/?uri=uriserv%3AOJ.L_.2017.222.01.0001.01.ENG - Europäische Kommission – Beschluss (EU) 2023/2463
EMAS-Anwenderleitfaden mit Erläuterungen zur Identifikation und Bewertung direkter und indirekter Umweltaspekte:
https://eur-lex.europa.eu/eli/dec/2023/2463/oj - EMAS Deutschland – Mit EMAS die Lieferkette im Griff
Fachinformationen zur Integration von Liefer- und Wertschöpfungsketten in das Umweltmanagement:
https://www.emas.de/lieferkette - EMAS Deutschland – Einstieg ins Umweltmanagement mit EMAS
Praxisleitfaden unter anderem zu Umweltanforderungen bei Beschaffung, Produktentwicklung und ausgelagerten Prozessen:
https://www.emas.de/fileadmin/user_upload/4-pub/Leitfaden-EMAS-Einstieg.pdf
Der Umweltcluster NRW unterstützt Unternehmen bei der Einführung des Eco-Management and Audit Scheme (EMAS) und anderer Umweltmanagementsysteme. EMAS steht für transparente Umweltleistung, Ressourceneffizienz und nachhaltige Unternehmensführung. Wir bieten Beratung, Vernetzung und Schulungen, um Unternehmen auf dem Weg zu einer umweltbewussten Zukunft zu begleiten
Fortbildungen zu EMAS – Umweltmanagement
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