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Umwelt-Lexikon BegriffserklärungRegister A–Z

Klimawandel

Klimawandel bezeichnet die langfristige Veränderung des Klimas, also der statistischen Eigenschaften von Temperatur, Niederschlag, Wind und anderen Größen über Zeiträume von Jahrzehnten. Klimaveränderungen hat es in der Erdgeschichte immer gegeben. Der gegenwärtige Klimawandel ist jedoch nach dem Befund des Weltklimarats (IPCC) eindeutig vom Menschen verursacht, vor allem durch den Ausstoß von Treibhausgasen aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas. In der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen ist Klimawandel ausdrücklich als die vom Menschen verursachte Änderung definiert, die zur natürlichen Klimaschwankung hinzukommt.

Abgrenzung zu Wetter und Klimaschwankung

Wetter beschreibt den Zustand der Atmosphäre zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort. Klima ist die Statistik des Wetters über einen längeren Zeitraum, nach Konvention der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) mindestens 30 Jahre. Ein einzelner kalter Winter widerlegt den Klimawandel daher nicht, und ein einzelner heißer Sommer belegt ihn nicht für sich allein. Aussagekräftig sind Trends über Jahrzehnte und die Häufung von Extremen.

Natürliche Einflüsse wie Schwankungen der Sonnenaktivität, Vulkanausbrüche oder das El-Niño-Phänomen verändern das Klima von Jahr zu Jahr oder über längere Zyklen. Sie können den beobachteten Erwärmungstrend seit Mitte des 20. Jahrhunderts aber nicht erklären.

Ursachen

Hauptursache ist der verstärkte Treibhauseffekt. Durch menschliche Aktivitäten ist die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre stark gestiegen. Die CO₂-Konzentration lag nach Angaben der WMO 2024 bei 423,9 ppm, gegenüber etwa 280 ppm vor der Industrialisierung. Wichtigste Quellen sind:

  • Verbrennung fossiler Energieträger in Energieerzeugung, Industrie, Verkehr und Gebäuden
  • Entwaldung und Trockenlegung von Mooren, die gespeicherten Kohlenstoff freisetzen
  • Landwirtschaft mit Methan (CH4) aus der Tierhaltung und Lachgas (N2O) aus der Düngung
  • Industrieprozesse, etwa die Zementherstellung, und fluorierte Gase

Rückkopplungen verstärken die Erwärmung: Wärmere Luft nimmt mehr Wasserdampf auf, schmelzendes Eis verringert die Rückstrahlung von Sonnenlicht, auftauende Permafrostböden können Methan und CO₂ freisetzen.

Beobachtete Veränderungen

Weltweit

Nach dem Sechsten Sachstandsbericht des IPCC lag die globale Oberflächentemperatur im Zeitraum 2011 bis 2020 um etwa 1,1 °C über dem vorindustriellen Niveau (1850 bis 1900). Die WMO beziffert die Abweichung für das Jahr 2025 auf 1,43 °C mit einer Unsicherheit von plus/minus 0,13 °C; 2025 war damit das zweit- oder drittwärmste Jahr seit Beginn der Messungen. Die elf Jahre von 2015 bis 2025 sind die wärmsten der Messreihe. Weitere Befunde sind der Anstieg des Meeresspiegels, der Rückgang von Gletschern und arktischem Meereis sowie die Erwärmung und Versauerung der Ozeane.

Deutschland

In Deutschland ist die Jahresmitteltemperatur nach Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD), die das Umweltbundesamt (UBA) auswertet, im linearen Trend von 1881 bis 2025 um 1,9 Kelvin gestiegen, also stärker als im globalen Mittel, weil sich Landflächen schneller erwärmen als Ozeane. 2025 war mit rund 10,0 °C das achtwärmste Jahr seit 1881; alle zehn wärmsten Jahre liegen im 21. Jahrhundert. Die Zahl heißer Tage mit mindestens 30 °C nimmt deutlich zu.

Nordrhein-Westfalen

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima (LANUK NRW) stellt im Klimaatlas NRW Messdaten und Projektionen für das Land bereit, unter anderem zu Temperatur, Niederschlag, Hitzetagen und Vegetationsbeginn. Das Hochwasser im Juli 2021, das in NRW und Rheinland-Pfalz zu schweren Schäden und Todesopfern führte, hat die Verwundbarkeit gegenüber Starkregen deutlich gemacht.

Folgen

Die Folgen des Klimawandels betreffen Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft:

  • Extremereignisse: häufigere und intensivere Hitzewellen, Starkregen, Dürren und Waldbrände
  • Wasser: sinkende Grundwasserstände in Trockenjahren, Niedrigwasser in Flüssen, steigende Wassertemperaturen
  • Natur: Verschiebung von Lebensräumen, Verlust an Biodiversität, Schäden in Wäldern durch Trockenheit und Schädlinge
  • Gesundheit: Hitzebelastung, vor allem für ältere und vorerkrankte Menschen, neue Krankheitsüberträger
  • Wirtschaft: Schäden an Gebäuden und Infrastruktur, Ernteausfälle, Unterbrechungen von Lieferketten und Transportwegen

Der IPCC warnt zudem vor Kipppunkten, etwa dem Abschmelzen großer Eisschilde, bei deren Überschreiten Veränderungen sich selbst verstärken und kaum umkehrbar sind. Jedes zusätzliche Zehntelgrad Erwärmung erhöht die Risiken.

Politische und rechtliche Antworten

Auf den Klimawandel wird mit zwei sich ergänzenden Strategien reagiert: Klimaschutz (Minderung der Emissionen) und Klimaanpassung (Umgang mit nicht mehr vermeidbaren Folgen).

  • Völkerrecht: Das Pariser Abkommen von 2015 verpflichtet die Staaten, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur deutlich unter 2 °C zu halten und Anstrengungen zu unternehmen, ihn auf 1,5 °C zu begrenzen.
  • EU: Das Europäische Klimagesetz legt Klimaneutralität bis 2050 und seit 2026 ein Minderungsziel von 90 Prozent netto bis 2040 fest.
  • Deutschland: Das Bundes-Klimaschutzgesetz schreibt Netto-Treibhausgasneutralität bis 2045 vor; das Bundes-Klimaanpassungsgesetz regelt seit Juli 2024 die vorsorgende Anpassung.
  • NRW: Mit dem Klimaschutzgesetz und dem Klimaanpassungsgesetz von 2021 hat das Land eigene Ziele und Strategien festgelegt.

Instrumente wie der Emissionshandel, der Ausbau erneuerbarer Energien und Effizienzvorgaben dienen der Minderung. Das Bundesverfassungsgericht hat 2021 entschieden, dass Klimaschutz aus den Grundrechten folgt und Minderungslasten nicht einseitig in die Zukunft verschoben werden dürfen.

Bedeutung für Unternehmen

Unternehmen sind doppelt betroffen. Physische Risiken entstehen durch Hitze, Hochwasser oder Trockenheit an Standorten und in Lieferketten. Transitorische Risiken entstehen durch Klimaschutzpolitik, steigende CO₂-Preise, veränderte Kundenanforderungen und Finanzierungsbedingungen. Berichtspflichtige Unternehmen nach der CSRD müssen beide Risikoarten im Rahmen des Standards ESRS E1 bewerten, wenn Klimawandel für sie wesentlich ist. Auch die EU-Taxonomie unterscheidet zwischen Beiträgen zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel.

Häufige Fragen

Woher weiß man, dass der Mensch den Klimawandel verursacht?

Mehrere unabhängige Belege stützen den Befund: Der Anstieg der CO₂-Konzentration entspricht den Emissionen aus fossilen Brennstoffen, deren Kohlenstoff eine typische isotopische Signatur trägt. Die untere Atmosphäre erwärmt sich, während sich die obere Atmosphäre abkühlt, was zu einem verstärkten Treibhauseffekt passt, nicht zu stärkerer Sonneneinstrahlung. Klimamodelle können die Erwärmung nur mit menschlichen Einflüssen nachbilden.

Wie stark hat sich Deutschland bereits erwärmt?

Nach den Auswertungen des Umweltbundesamts auf Basis von DWD-Daten ist die Jahresmitteltemperatur in Deutschland von 1881 bis 2025 im linearen Trend um 1,9 Kelvin gestiegen. Das ist mehr als im globalen Mittel. Alle zehn wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen liegen im 21. Jahrhundert.

Ist die 1,5-Grad-Grenze bereits überschritten?

Das Ziel des Pariser Abkommens bezieht sich auf den langjährigen Mittelwert, nicht auf einzelne Jahre. Einzelne Jahre wie 2024 lagen bereits über oder nahe 1,5 °C; 2025 lag nach WMO bei 1,43 °C. Der langfristige Mittelwert nähert sich der Grenze jedoch; nach IPCC wird sie ohne sehr rasche Emissionsminderungen in naher Zukunft erreicht.

Was ist der Unterschied zwischen Klimaschutz und Klimaanpassung?

Klimaschutz zielt darauf, die Ursachen des Klimawandels zu verringern, vor allem durch weniger Treibhausgasemissionen. Klimaanpassung soll die Folgen bewältigen, die sich nicht mehr vermeiden lassen, etwa durch Hitzeschutz, Hochwasservorsorge oder angepasste Landwirtschaft. Beide Ansätze ergänzen sich und sind rechtlich in eigenen Gesetzen geregelt.

Wie lässt sich der Klimawandel aufhalten?

Die Erwärmung stoppt erst, wenn die CO₂-Emissionen weltweit netto auf null sinken. Dafür ist ein Umbau von Energieversorgung, Industrie, Verkehr, Gebäuden und Landwirtschaft nötig. Schon erreichte Erwärmung lässt sich nur sehr langsam rückgängig machen; deshalb ist neben dem Klimaschutz auch Anpassung erforderlich.

Verwandte Begriffe

Quellen und weiterführende Informationen

Geprüft am 15.10.2026 von der Redaktion Umweltcluster-nrw.de

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